Montag, 21. Februar 2011

Gefühlschaos an der Bangkok-Front

Gestern startete unser Tag in Werbellinsee mit einem Regionentreffen. Darunter wurde das Treffen aller Freiwilligen und der dazugehörigen Trainer, die das Zwischenseminar leiten werden, verstanden. Den Trainer Götz kannte ich ja bereits, da er auch mein Seminargruppenleiter bzw. der Leiter meiner alltäglichen Homezone ist. Er ist ein total netter und abgedrehter Typ mit vielen Ideen und der Gabe, uns alles wirklich gut zu vermitteln.
Bei diesem Regionentreffen ging es nun also näher um Informationen zu Sicherheit und Gesundheit, Notfallvorsorge, Hygiene, politische Situation, Riosikogebiete, strafrechtliche Bestimmungen und vieles mehr.
Dabei wurde uns Freiwilligen schon ein wenig anders. Nach den letzten Tagen in den Seminaren bzw. Homezones wurde unser Interesse und vor allem unsere Vorfreude auf den Freiwilligendienst immer weiter erhöht, doch mit jedem Tag, an dem allgemeine Informationen zu Versicherungen, Sicherheitsvorkehrungen und Gesundheitscheck-Ups vorgestellt werden, fühle ich mich mehr und mehr wie eine kleine Figur in einem Börsenkurs. Erst krabbelt man Stück für Stück nach oben, lässt seine Ängste, Sorgen und vielleicht auch Vorurteile liegen und schwebt zu ungeahnten Vorfreudehöhenflügen und dann wieder kracht man in ein Realitätsloch und fängt an zu zweifeln. Bei manchen Veranstaltungen würde ich mir wünschen, dass sie nicht so detailliert auf alle Eventualitäten eingehen würden und Horrorgeschichten (beliebter Weise oftmals aus Thailand) erzählen, wo zwei Freiwilligen zwei Päckchen anvertraut wurden, in denen Flyer oder Prospekte drin waren (zumindest eigentlich) und uneigentlich eben in genau diesen zwei Päckchen Drogen waren, für de sie nun für lebenslänglich in Thailand verknackt wurden - Dank der Hilfe der Botschaft und einem guten Anwalt dürfen sie nun die Haftstrafe von mindestens 5 Jahren hier in Deutschland absitzen.
Weitere Geschichten von tödlichen Krankheiten und Hunden, die in Indien nachts die Straßen regieren bzw. erhöhte Vergewaltigungsgefahr machten die Sache dann irgendwie nicht entspannter. Man weiß es ja - aber so ist es irgendwie verunsichernd. Und so sahen Nadine und ich uns oft in den Veranstaltung an und dachten uns wohl das gleiche... Worauf habe ich mich da bloß eingelassen!
Auf einmal wurde einem bewusst, was man noch alles an medizinischen Dingen vergessen hatte, worauf man alles achten muss, wie man sich verhalten sollte, was man trinken darf und was lieber nicht und und und.
Unsere Besprechung in einer kleineren Runde, in der es um das Zwischenseminar in Devanahalli ging, stärkte unseren Entschluss ins Ausland zu gehen dann doch wieder ein wenig. So wurde uns von der schönen Umgebung von Bangalore (15 Minuten von Devanahalli entfernt) erzählt.
Gekrönt sollte dieses Regionentreffen durch die Berichte und Erfahrungen von Rückkehrern, die nach einem Jahr Aufenthalt in ihrem Gastland seit dem 20.02. ebenfalls in Werbellinsee ihr Nachbereitungsseminar haben. Da viel weniger Freiwillige für ein ganzes Jahr ins Ausland gehen (in unserem Durchlauf sind es von über 180 Freiwilligen nur ungefähr 15), war uns das Problem relativ schnell klar... Nicht für jedes Land und auch nicht für jede Region wird es einen Rückkehrer geben, den man alles fragen kann, was einen noch so auf der Seele brennt.
Genauso leider geschehen für die Region Asien/Südostasien. Sechs Rückkehrer waren für die Region gekommen und allein vier von ihnen waren in China gewesen - eine kam aus Indien zurück und eine weitere aus Malysia... Tja da steht man nun in seinem "World-Coffee" (es werden verschiedene Tische zum Austauschen eingerichtet und dann kann man beliebig zwischen den Tischen wechseln, um von allen etwas mitzubekommen), hat wahnsinnig viele Fragen auf der Zungen und kann sie bei keinem loswerden. Manchen Dinge konnte man sich vielleicht noch ableiten, dass es ähnliche Essgewohnheiten (beispielsweise früh, mittags und abends warm zu essen) oder auch Verhaltensweisen gibt, doch eben nichts konkreteres. Für die Freiwilligen, die nach China gehen, wurden die besten Tipps zur Anschaffung von Klamotten, günstigen Anzügen, super Reisezielen oder auch im täglichen Umgang mit den Einheimischen und den Traditionen gegeben - da konnten wir leider nur zuhören und für spätere Reisen lernen.

Nach dem netten Beisammensein hieß es nach dem Mittag erst einmal die Sonne genießen, die sich nach endlosen Tagen grau in grau auch hier einmal zeigte. So ging ich mit Nadine, Anne (Bangladesh) und Ina (China) an den See und genoss die kühle, nein eiskalte frische Luft.

Links, die ignoriert man lieber ;) Nadine kennt ihr schon und rechts ist Ina






am größten ist die Anne ;)                                                                       


Apropos eiskalt... Hier in den Häusern ist es wirklich zum Schreien. Die Heizungen auf volle Pulle und trotzdem wird es nur in den Zimmer wirklich warm und die Seminarräume und vor allem die großen Versammlungsräume (Kino und Casino) bleiben arschkalt, da die Fenster so undicht sind, dass sogar die Vorhänge nachts wehen. Viele der Freiwilligen sind deshalb jetzt schon richtig krank und niesen und husten den ganzen Tag und bis spät in die Nacht vor sich hin. Auch bei mir auf dem Zimmer breitet sich das Unwohlbefinden aus und mich raffte gestern Abend eine schöne Migräneattacke hin.

Nichts desto Trotz hieß es gestern Nachmittag rein in das arschkalte Kino und den wunderbaren Ausführungen der Gesandten aus dem Dr. Walter-Büro lauschen, wofür bzw. wogegen wir alles versichert sind. Viele der Freiwilligen bestätigten mit wahnsinnig tiefgründigen Fragen die Befürchtung der Veranstalter, dass die Infobroschüren, welche uns im Vorherein zugeschickt wurden, nicht gelesen wurden. So durften die, die die Broschüren bereits gelesen hatten, um sich VOR ihrer Ausreise um alles notwendige zu kümmern, noch einmal den Klängen der Versicherungsklauseln und einigen amüsanten Anekdoten aus dem Versicherungsbetrieb der Dr. Walter-Versicherung lauschen.

Bibbernd wurde dann nach einer guten Stunde die Veranstaltung beendet und man konnte sich erst einmal in seinen Zimmern und beim Abendbrot aufwärmen, bevor es am Abend wieder ab ins kalte Kino zum "kulturweit"-Kulturabend ging. Man kann das Programm schwer beschreiben, deshalb lasse ich die Bilder bzw. Videos sprechen, die euch einen Eindruck von dem amüsanten Abend geben sollen.
Ina und ich waren übrigens clever und haben uns auf de Heizungen draufgesetzt - Nachteil... die Füße und Beine waren kalt, am Rücken zog es extrem durch die undichten Fenster, aber der Hintern war abgefackelt. ;)

alle "entspannt" versammelt im Kino (man beachte die angezogenen Jacken und dicken Schals)
das Programm war eine bunte Mischung aus spontan zusammengefundenen Bands wie dieser,
Lesungen von Texten, die in einem Schreibwerkstatt-Workshop innerhalb von zwei Stunden entstanden sind, 


und eben auch kulturelle Beiträge der Trainerinnen und Trainer!

Da ich jetzt über 3 Stunden gebraucht habe, um dieses Video hochzuladen, werde ich das zweite, dass ich euch noch unbedingt zeigen möchte, erst später hochladen, wenn die Verbindung wieder besser ist. "Wir bitten um Ihr Verständnis!" ;)
Es war auf jeden Fall ein gelungener Abend und wir sind dann auch schnell todmüde ins Bett gefallen.
Das mache ich jetzt auch, deshalb gibt es die ausführlichen Berichte zum heutigen Tag erst morgen Abend.
Bis bald!

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