Sonntag, 17. Juli 2011

Cu Chi Tunnel

Da anscheinend der Wunsch besteht etwas mehr über die Cu Chi Tunnel zu erfahren, habe ich mir gedacht, meine Ausführungen noch etwas auszuweiten.
Die Cu Chi Tunnel befinden sich 70 km nord-westlich von Saigon kurz vor der kambodschanischen Grenze und umfassen einen riesigen Komplex an unterirdischen Tunnelsystemen und mittlerweile eben auch Hotel- und Entertainmentanlagen - leider. Das gesamte Tunnelsystem istungefähr 200 km und erstreckt sich unterirdisch über drei Stockwerke. Dabei wurden verschiedene Räume eben auch durch die Stockwerke unterschieden. In der Zeit ab 1948 im Krieg gegen die Kolonialmacht Frankreich entstanden die ersten Tunnel, die dann im Krieg gegen die Amerikaner, die nach dem Sieg der Franzosen in Vietnam einrückten, ausgebaut wurden. Während der Sechziger Jahre erhielten die Tunnel durch die vietnamesischen Partisanen, die Vietcong, ihre maximale Ausdehnung. Unterirdisch wurden somit ganze Städte errichtet, in denen man neben Schlafräumen auch Schulen, Bunker, Lazarette, Waffenkammern und Küchen fand. Die einzelnen Räume und Etagen waren durch kleine Gänge von 80 cm Breite und 60 cm Höhe verbunden, sodass westliche Eindringlinge ihre Mühen hatten. Als Einstieg in die Tunnel gab es versteckt unter Laub und Geäst kleine Luken, durch die man kaum durchkommt. Rund um diese Eingänge gab es viele verschiedene Arten von Fallen, welche die Eindringlinge möglichst fern halten sollten - neben großen Klappfallen, die mit spitzen Bambusstäben das Ende eines jeden Soldaten darstellten, der in eine solche fiel, gab es auch kleinere Fallen, die die Amerikaner meist an den Beinen schwer verletzten. Um nicht selbst in eine dieser Fallen zu tappen, hatten die Vietnamesen die umliegenden Büsche oder auch kleinere Grasbüschel mit Knoten versehen, sodass man mit einem geschulten Auge erkennen konnte, wo sich eine Falle befand.
Um in den unterirdischen Tunneln nicht zu ersticken ließen die Bewohner Cu Chi's dicke und bis zu 20 m lange Bambusstäbe in den Boden und in die Tunnel ein, durch die frische Luft in das Tunnelsystem kam. Da die Amerikaner nach kurzer Zeit diese, wie Termitenhügel getarnte und wirklich kaum erkennbare Sandhaufen, ausfindig machten und sie mit Giftgas füllten, bauten die Vietnamesen echte und gefälschte Hügel in unmittelbarer Nähe, sodass der Feind sich nicht sicher sein konnte, ob er einen richtigen Belüftungstunnel betroffen hatte oder nicht.
Die Tunnel, die man heute noch besichtigen kann, um sich vorzustellen, wie manche Menschen über 25 Jahre unterirdisch gelebt haben, wurden für die Touristen extra vergrößert, sodass man überhaupt durch die Tunnel krabbeln kann. Man kann während der Tour auch einen Tunnel in der Originalgröße besichtigen und sein Glück in den engen Röhren probieren, doch einem sollte klar sein, dass man dort nur noch vorwärts bis zum nächsten Ausgang laufen kann - an Umdrehen braucht man nicht einen Gedanken verschwenden. Bevor man eine solche Tour macht, sollte einem diese Enge bewusst sein, damit man später kein böses Erwachen in der Tiefe bekommt, denn mit Klaustrophobie würde ich dort keinem empfehlen auch nur den Kopf reinzustecken...

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