Mittwoch, 12. Januar 2011

Zeitdruck, Sprinten und Frust - ein allzu gewöhnlicher Tag in Berlin

Gestern bin ich abends schnell mal nach Berlin gedüst, um die (fast) letzten Vorbereitungen für Thailand abzuschließen.

Nach einer noch so schönen Nacht, folgte ein umso verrückterer Tag.
Viel zu früh aufstehen (für eine Studentin ;)) und ab zur Ärztin, um der medizinischen Diagnose von Papa nachzukommen, ich hätte eine zu große Schilddrüse und da müsse etwas gemacht werden. Also viel zu spät losgefahren und durch das normale Gewusel ab zur Ärztin nach Karlshorst gefahren - Mama immer im Schlepptau :)
Dort angekommen kam dann der Schock... Das Wartezimmer glich eher einem Gehege für Legebatteriehühner - aufgereiht wie auf einer Stange saßen die Leute dicht an dicht und warteten, ihren Kopf in das Sprechzimmer der ebenfalls kranken Frau Doktor zu stecken. 


Wir also erst einmal eine Unmenge an Rezepten und Überweisungen für Papa und mich geholt, um dann zu beschließen, unsere Wartezeit von mindestens einer Stunde bei Rossmann und der Apotheke zu verkürzen. Gesagt getan, gingen wir also zur Apotheke, um mein Notfallrezept gegen Malaria einzulösen - dort der erste Lichtschein am Tag - sie hatten dieses Medikament doch tatsächlich vorrätig. Also gleich gekauft und glücklich zu Rossmann gehüpft. Dort wurde erst einmal die Abteilung für Reiseprobepackungen, die Sonnenmilch- und Mückentötolin-Abteilung geplündert, damit ich das Malaria-Rezept auch schön umsonst rumschleppe ;)
Nun also zurück zur Ärztin, um dann endlich dran zu kommen und die Bestätigung zu kriegen, dass ich einfach nur einen "dicken Hals" hätte. Na wenn das mal nicht ein Kompliment ist ;)
Nach diesem Kurztripp in die alte Heimat ging es dann unter Zeitdruck sogleich weiter quer durch die Stadt, an den "Wir-fahren-immer-in-der-Mitte-Fahrern" vorbei in den Westen der Stadt. Einen Katzensprung von meiner ehemaligen Praktikumsstelle entfernt, befindet sich die Königlich Thailändische Botschaft - unser Ziel des Tages.
Nachdem wir - ohne jede Umwege -  an der Konsularabteilung Berlin angekommen waren begann das Theater. Alle Unterlagen bereithaltend und bestens informiert, welches Visum ich nun benötigte, ging ich fröhlich wie ein Schulkind an den Schalter heran, um dann von dem netten Herren hinter der Scheibe zu erfahren, dass das non-immigrant-Visum-ED, welches ich benötige, nicht als multiple-entry-Visum ausgestellt werden könnte. Das Problem und die Verwirrung waren sogleich perfekt. Von einer anderen Freiwilligen, die ebenfalls an meiner Schule ihren Freiwilligendienst absolviert, habe ich erfahren, dass sie ohne Probleme ihr Visum bekommen hatte. Der Mann hinter der Scheibe war aber der festen Überzeugung, dass ein solches multiple-entry.Visum jedoch gar nicht ausgestellt werden dürfte. Naja, wie auch immer - noch einmal bei kulturweit angerufen und mein Problem geschildert... Die Antwort: Die zuständige Bearbeiterin solcher Anfragen ist leider krank und wird voraussichtlich erst morgen wiederkommen - was hatte ich auch anderes erwartet an solch einem Tag. 
So also zurück zu dem netten Herren und mein Problem geschildert (die multiple-entry-Variante wurde ausdrücklich von kulturweit vorgeschrieben). Dieser gab mir dann doch noch ein paar Tipps, über die man als normal denkender Mensch doch wirklich nur lachen kann... In anderen Konsularabteilungen (die wohlgemerkt nicht direkt mit der Botschaft verbunden sind) kann diese Art von Visum ausgestellt werden und ich solle mich doch dort einmal informieren. 
Da denkt man, man macht es besonders clever und geht zu der Hauptkonsularabteilung und dann sowas... Naja. Also mit tierisch guter Laune wieder nach Hause gedüst - wieder vorbei an der ""Wir-fahren-immer-in-der-Mitte-Fraktion"!
Zu Hause dann also die ganzen Konsulate in Hamburg, München, Frankfurt, Stuttgart etc. abtelefoniert - irgendwer muss doch ne Auskunft geben können... Wo lag natürlich das Problem - Botschaften haben generell nur bis 12 oder 13 Uhr offen (Wann waren wir zu Hause: 12:37). Also so schnell wie möglich versucht jemanden zu erreichen - Versuch gescheitert... stattdessen durfte ich mir "Der Teilnehmer spricht gerade, es wird angeklopft. Bitte warten Sie!" in einer Endlosschleife anhören, welche mit der Information der Öffnungszeiten und der Nichterreichbarkeit endete. Na toll.
Doch dann, ein Lichtblick. Die Konsularabteilung in Stuttgart (also gleich um die Ecke ;) ) hat bis 14 Uhr auf. Also angerufen und doch wirklich nach Ewigkeiten jemanden erreicht. Die habe ich nur kurz gefragt: "non-immigrant-Visum-ED" - Ja - "und multiple-entry" - ja. ALSO WAS JETZT... Keine Ahnung, jedenfalls schnell die Unterlagen fertig gemacht und einen Rücksendeumschlag ausreichend frankiert vorbereite. Ein Stein fällt mir vom Herzen!
Dann noch ein bisschen mit Mama über die geplante Rundreise durch Thailand gesprochen, die zum Glück von meiner Seite abgesegnet ist (ich kann für die gesamte Zeit Urlaub nehmen). Dann noch ein bisschen den Verhandlungsgesprächen von Mama und der netten Dame vom Reisebüro gelauscht und ein paar Änderungen an den Flügen vorgenommen.
Nach kurzen Überlegungen haben wir uns entschlossen, die Unterlagen für die Visumsbeantragung gleich heute noch mit der Post loszuschicken. Gesagt getan, schnell alle Sachen gepackt, um danach gleich zum Bahnhof zu fahren. Alles kein Problem: Wir haben viel Zeit; es ist 15:12.
Also ab zur Post, gleich einen Parkplatz genau davor bekommen: Prima. Dann der Schock; es ist echt voll, aber das wird bei zwei Mitarbeitern wohl nicht so lange dauern. Wir rücken also immer weiter an den Schalter heran. Der vorletzte Herr vor uns packt auf einmal seinen ganzen Rucksack voller Geld aus... Das zählen beginnt und dauert Dank der perfektionierten Zeitlupenarbeit des Postangestellten ewig. Frage mich: Wie kann man nur so eine Schweineruhe haben, wenn die Schlange in der Post elend lang ist. Der wird definitiv nicht nach Anzahl der betreuten Kunden bezahlt. Der dickbäuchige Zeitlupenarbeiter ist also mit dem Herren und dem vollen Rucksack beschäftigt. Gut - der andere Schalter, an dem eine unfreundlich wirkende Frau sitzt, wird frei. Wir also gleich hin, unser Anliegen geschildert: Bitte per Express schicken. Die Frau guckt uns an und redet die ganze Zeit von Einschreiben... Ist das das gleiche? Die muss es ja wissen. Zur Vorsicht noch einmal betont: Der Inhalt des Briefes muss versichert sein. nachdem sie uns mehrere Varianten der Versicherung bei Einschreiben sagt, bin ich davon überzeugt, sie muss ja wissen, wie das dort heißt und was es ist. Also zugesagt und abgeschickt... Die Quittung folgt auf dem Fuße, doch das ist eine andere Geschichte.

So den Brief mit den Unterlagen und der Visumsgebühr bin ich also los und nun aber schnell zum Bahnhof. Mittlerweile ist es 15:36 - für Mama steht fest, den Zug kann ich mir abschminken. Doch heute ist schon alles schief gegangen, da sage ich mir muss ich positiv denken und versuche es trotzdem. Also düs, düs, düs zum Ostbahnhof. Schon auf dem Weg zum Treptower Park holt mich das Pech wieder ein... Ein Straße-Suchernder blinkt an jeder abzweigenden Straße, um dann schon beim Einbiegen festzustellen, dass es die falsche ist und im gefühlten Schneckentempo bis zur nächsten zu fahren... Lasse das nicht länger mit mir machen und überhole ihn... Der nächste Brummi parkt direkt vor mir aus und beginnt seine ebenfalls "starkbeschleunigte" Fahrt. Natürlich lässt sich ein älterer Herr mit Fahrrad sich die Chance nicht nehmen, mich auch noch ein bisschen zu ärgern, indem er die einzige Ampel auf der Strecke zum Treptower Park (die sonst nie jemand benutzt) in Aktion zu erleben. Klasse...Habe an der nächsten Ampel vorm Treptower Park endlich die Gelegenheit den Brummi abzuhängen... vergebens,  denn jetzt meint auch er auf einmal, den Dicken zu markieren und fährt mir fast in die Seite. Lasse ihn halt vor und benutze dort vor lauter Wut das erste Mal in meinem Leben die Hupe... So ein Idiot.
Also weiter - der erste LKW lässt nicht lange auf  sich warten. Habe an der Ampel vorm Trept. Park noch überlegt, ob ich abbiegen soll oder nicht, um einen eventuellen Stau zu umfahren - habe mich dagegen entschieden... mein nächster Fehler! Biege also an der Oberbaumbrücke ab und stecke auch schon voll drin... Die Uhr tickt unermüdlich - es ist bereits 15:53. In sechs Minuten kommt am Ostbahnhof mein Zug. Dann der Lichtblitz - habe mich im Stau in der richtigen Spur eingereiht, es geht vorwärts. man glaubt es kaum, die Ampel ist schon in Sicht, schnell ein Spurwechsel, damit ich links abbiegen kann. Es geht weiter und ich stehe nur zwei Autolängen von der Abbiegerspur entfernt - die Uhr tickt - noch ist es grün - ach egal, ausgeschert und noch ab mit knappen 30 über die Kreuzung. 


 Nun aber schnell, es ist bereits 15:58 als ich an der Ampel vorm Ostbahnhof eintreffe - sie ist natürlich rot... Und dann das - der Zug fährt ein. Rupfe vor Zeitdruck und Ärger bald das Lenkrad ab! Nun aber schnell schnell schnell beim Bahnhof vorgefahren, aus dem Auto gesprungen, beim Koffer Holen Mama schnell tschüss gesagt und losgerannt. Renne fast mehrere Leute um, ein Penner am Straßenrand ruft laut: "Immer langsam junge Dame!". Höre nicht auf zu Rennen. Er weiter: "Achtung Achtung Platz da. Vorsicht nicht ausrutschen...!" Sprinte durch die Bahnhofshalle, nachdem sich die Schiebetür fast in Zeitlupe geöffnet hat und ab zum Bahnsteig (wie auch anders zu erwarten einer der hintersten). Ich renne die Rolltreppe nach oben, da höre ich das Pfeifen. Schreie laut. "Das kann doch nicht wahr sein!" und bin kurz vorm Heulen. Komme oben an - die Türen sind schon zu - lasse vor Aufregung meine Handtasche fallen und stürme dann zur Tür. Drücke wie eine Irre auf den Knopf während sich der verdammt Regio langsam in Bewegung setzt.


Kann nicht anders - heule vor Aufwühlung los, trete gegen meinen Koffer und hau meinen Kopf gegen die Laterne. Wieso kann nicht einmal an diesem Tag etwas gut gehen. Die Leute auf dem anderen Bahnsteig sehen mit schief an...Schleppe völlig aus der Puste meinen Koffer zu McDonalds und trinke mit zitternden Händen und völlig aufgelöst erst einmal eine Spezi - nun habe ich eine Stunde Zeit - fange an, diesen Blog zu schreiben.


1 Kommentar:

Ane und Basti hat gesagt…

Hey, Thailandvorbereitungsstressmausfranzi. Ich war mir total sicher, vor kurzem erst auf deinem Blog vorbeigeschaut zu haben, aber die Fülle an neuen Berichten bezeugt, das kann nicht sein ;-) Mensch, meine Liebe, an dir ist ja eine Kurzgeschichtenautorin verloren gegangen. Sehr mitreißend beschrieben, und: ich kann dir jedes Wort und jede Sekunde nachfühlen. Im Flugzeug auf dem Weg nach Bangkok wird die Zeit zum ersten mal kurz anhalten und du kannst durchatmen - bevor der nächste Marathon losgeht ;-) Alles Liebe, Gute und Glücklich-Aufregend-Bereichernde für die Reise wünscht Ane