Die drei Tage hier in der Megedeborch werde ich wohl nie vergessen. Das Mittelalter so nachzuspielen macht nicht nur Spaß, sondern füllt auch einige wenige Lücken in meinem, dank Frau Krechlock, bröckligen Geschichtswissen.
Am Dienstag startete ich im Neuzeitalter, begab mich noch in Zivil in die nachgebaute mittelalterliche Stadt Magdeburg, damals Megedeborch, legte danach meine Biographie ab und nahm die einer Großmagd bei einer Korbflechterin im Jahre 1220 an. Nicht nur meine Biographie und die Kleidung legte ich ab, sonder auch die Sprache sollte nachempfunden werden. Sich gewählt und in der dritten Person zu unterhalten und auf neuzeitliche Worte wie "ok" und "lecker" zu verzichten, war gar nicht so einfach.
Tagsüber sind in der Stadt neben den 18 pädagogischen Betreuern und Meistern der Gewerke, drei Praktikantinnen und 54 Kinder in die Geschichte eingetaucht. Der Tag folgt einem Drehbuch, das jedoch keine Texte, sondern nur den groben Tagesablauf vorschreibt. Die Kinder kommen durch eine Zeitschleuse
und müssen dort auch die Kleidung ändern und neuzeitliche Geräte wie Handys und Uhren ablegen. Danach werden sie vollständig in das "Spiel" integriert, bekommen Entscheidungsgewalt und sollen ihren Pflichten als Mägde oder Knechte nachgehen. Auch unangenehme Situationen sollen so gemeistert werden. So landete ich heute mit meiner Meisterin und drei weiteren Mägden im Gefängnis, das nicht einmal 1 qm groß ist. Das wurde bei hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen um 28°C schon ganz schön warm. Zudem wurden wir vom Landsherrn auch noch mit Wasser überkippt und wurden dem Spott der Bürger ausgesetzt. Nach diesem Erlebnis musste ich bei den Mädgen erst einmal ein wenig Aufklärung leisten, damit sich ihre Gemüter wieder abkühlten und die Trauer bzw. der Frust nicht die Oberhand gewann (uns wurde aus der Korbflechterei jeder neu gemachte Korb genommen und ins Kloster geschafft, sodass wir mit der Arbeit von vorn beginnen mussten).
Es ist interessant bei den Kindern plötzliche Gefühlsänderungen mitzubekommen. Anfangs waren die drei noch gelangweilt und wollte, dass etwas spannendes passiert. Ich war zu dieser Zeit noch außerhalb der Megedeborch mit einem fahrenden Künstler und habe den Dom gezeichnet. Als ich wieder kam, hatte der Schmied mit seinen Mägden und Knechten eine Schatztruhe gefunden, die jedoch mit Erbsen gefüllt war. Plötzlich stellt sich heraus, dass ich (vorher zum Glück abgesprochen) in meiner Abwesenheit dieses Kästchen bereits gefunden und den Schatz an die Mägde weitergegeben hatte. Aufgrund dessen rannten die drei Mägde von uns durch das Dorf und zeigten hoch erfreut (sie wussten nicht, dass es sich dabei um den Schatz handelte), dass wir reich wären. Zu dieser zeit waren sie Hölle und Flamme, dass sie gern einmal in das Gefängnis wöllten. Als sie keine 5 Minuten später neben mir und der Meisterin eingefercht in diesem Gatter, nassgeschwitzt und durchnässt auf dem Versammlungsplatz standen, schwenkte die Stimmung schlagartig um, und sie wollten "nie wieder in die Megedeborch kommen". Das war wirklich interessant. Und lustig zugleich.
Da jeden Tag etwas neues passiert wird es für die Kinder nicht langweilig, was ich wirklich schätze.
Schade ist jedoch, dass die 18 Mitarbeiter auf 1-Euro-Basis arbeiten und deshalb manchmal nicht ganz so motiviert sind, obwohl sie sich alle bemühen. Ich habe mir auf jeden Fall gesagt, dass ich im nächsten Jahr nochmal in die Megedeborch gehen werde, aber für länger!!!!
So nun habe ich euch aber genug davon erzählt. Seht selber...
Die Tischlerei
Die Schmiede
Die Weberei
Die Bäckerei von hinten und auf dem unteren Bild links mit Blick auf die Schmiede und die Tischlerei
Im Vordergrund die Töpferei und der Blick durch die Stadtgasse
Die Töpferei und im Hintergrund die Schneiderei (oben)
Die Baderei
Die Holzhackerei mit Blick auf den Versammlungsplatz
Die Korbflechterei
Die kleine Kapelle
Das Gefängnis
Die Taferna (ja mit f geschrieben!!!) mit Stadttor rechts
Das Kloster
So nun seid ihr mit mir einmal die gesamte Straße durch die Megedeborch durchgegangen und habt eigentlich alles gesehen. ich hoffe ich konnte euch so einen kleinen Eindruck von meinem Kurzpraktikum geben.
Wenn ihr mal in das dazugehörige Kulturhistorische Museum von Magdeburg kommt, könnt ihr auch als Besucher mal durch die Megedeborch durchspazieren und so den Alltag dort mal erleben. Ich freue mich auf euch!!!!
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